Was ist eine Kresse?

Als Kresse bezeichnet man fast ausschließlich verschiedene Pflanzenarten aus der Familie der Kreuzblütengewächse z.B. Brunnenkresse (Nasturtium officinale), Gartenkresse (Lepidium sativum), Winterkresse (Barbarea vulgaris), Sumpf-Kresse (Rorippa palustris)

Die ganze Kraft des Frühlings

Zwei der kräftigsten und schärfsten Kresse-Arten begegnen uns als dicht wachsende Pflanzen im sehr zeitigen Frühjahr – vor allem an klaren Quellen und Bächen: Es ist die Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale) und ihre seltene kleinblättrige Schwester (Nasturtium microphyllum). Um diese Jahreszeit sind die kraftvoll austreibenden knackigen und saftigen Triebe besonders schmackhaft. Neben ihrem scharf-würzigen Geschmack besitzen sie eine angenehm leichte Bitternote. Frische Triebe können jedoch das ganze Jahr über gezupft werden. Am besten ist Brunnenkresse jedoch vor der Blüte.

Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale)

Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale)

Brunnenkresse in glasklarem Quellbach

Kleinblättrige Brunnenkresse

Fit ins Jahr mit frischer Brunnenkresse

Der botanische Artname “officinale” deutet bereits auf eine bedeutende Geschichte als Heilpflanze hin. Offizinell nennt man Heilmittel, die im Laborraum der Apotheke (Offizin) verarbeitet und entsprechend in den Apothekerbüchern als “offizinell” geführt werden. Brunnenkresse ist appetitanregend und fördert die Entschlackung von Leber und Lunge und wirkt sich positiv auf die Reinheit der Haut aus. Sie ist daher die ideale Empfehlung für reinigende Frühjahreskuren.

Aus ihr lassen sich schmackhafte Suppen, Dips, Kräuterquark und Salate zubereiten. Reizvoll ist die Verwendung des würzigen Krauts als Garnierung zu Steaks und anderen Fleischgerichten. Nach wie vor zu empfehlen ist das gute alte Butterbrot mit frischer Brunnenkresse. Auch gepresster Saft ist im Handel erhältlich. Übertreiben sollte man den Genuss der Brunnenkresse allerdings nicht. Die enthaltene Erucasäure kann durch den Verzehr großer Mengen langfristig zu Herzverfettung führen.

Butterbrot mit frischer Brunnenkresse

Senföl, das Geheimnis der Brunnenkresse

Allen Kressen gemeinsam ist der Gehalt an Senföl. Man versteht darunter das in allen Pflanzenteilen enthaltene Öl mit komplexer Zusammensetzung. Verantwortlich für die würzige, nussige Schärfe der Kressen sind ätherische Öle, die erst durch das Zerkauen oder Zerkleinern der Kräuter durch chemische Reaktion verschiedener Inhaltsstoffe miteinander aus Senfölglykosiden entstehen. Innerhalb der Familie mit den 4-blättrig-kreuzförmigen Blüten findet man zahlreiche Pflanzenarten, die Senföl enthalten, jedoch nicht den Namen Kresse tragen. Schließlich ist die Senfpflanze für den Wirkstoff namengebend.

Senföle verschiedener Zusammensetzung sind außerdem in Rucola, Rettich (Radieschen), besonders viel in Meerrettich, Wasabi (Japanischer Meerrettich), in allen Kohlsorten und in einigen wildwachsenden Verwandten vorhanden. Senföl ist sehr gesund durch seinen hohen Gehalt mehrfach ungesättigter Fettsäuren, wie essentielle Omega-3-Fettsäuren und Linolsäure. Sie sorgen für einen positiven Cholesterinstoffwechsel. Vielversprechend ist die ausgeprägte antibakterielle Wirkung auf ein breites Bakterienspektrum in Hinsicht auf das aktuelle zunehmende Problem resistenter Bakterien (MSRA). Zudem verhindern Sie die Vermehrung von Viren und Pilzen und helfen bei Erkältungen und Entzündungen der Mundschleimhaut u.v.m.

Bittere Verwechslung

Augen auf! Die Brunnenkresse hat einen sehr häufigen Doppelgänger: Das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara). Es unterscheidet sich geschmacklich nicht nur durch starke Bitterkeit, ihm fehlen auch die ausgeprägte Schärfe und die knackige Frische der Brunnenkresse. Beide Pflanzen besiedeln nasse Standorte, wobei die Brunnenkresse saubere Fließgewässer bevorzugt und das Schaumkraut auch in schlammigen Sümpfen wächst.

Die beiden Pflanzen können einander extrem ähneln. Ein sehr gutes Unterscheidungsmerkmal sind die bei der Brunnenkresse hohlen Stängel. Beim Schaumkraut sind diese mit Mark gefüllt. Während der Blüte unterscheiden sie sich durch die Farbe der Staubblätter, die beim Schaumkraut violett und bei der Brunnenkresse gelb sind. Schädlich oder giftig ist das Bittere Schaumkraut jedoch nicht.

Bitteres Schaumkraut

Bitteres Schaumkraut mit violetten Staubblättern

Echte Brunnenkresse mit gelben Staubblättern

Vorsicht: Gebiete mit intensiver Schafbeweidung sollte man als Sammelgebiet von Brunnenkresse meiden, da eine Infizierung mit dem großen Leberegel möglich ist. Man sollte auch auf sauberes Wasser achten.